Methadon intravenös

Einige Eingriffe gehen mit einem relevanten Akutschmerz einher. Insbesondere nach dem Rückruf der selektiven COX Hemmer hat der Postop. Akutschmerz relevant zugenommen. Bei vielen Eingriffen war dies durch eine verstärkte Anwendung von Regionalanästhesie-Verfahren behebbar, nicht aber bei Eingriffen beispielsweise an der Wirbelsäule.

Als weitere therapeutische Option kann nun Methadon eingesetzt werden.

 

Pharmakologie1)

Methadon ist ein synthetisches Opioid. Es wirkt am µ-Agonist und NMDA-Rezeptor Antagonist. Die Anschlagszeit ist vergleichbar mit Fentanyl und Sufentanil, während Methadon das Opioid mit der längsten Halbwertszeit ist (24-36h) 2). Es hat keine aktiven Metaboliten und wird in der Leber via N-demethylation, hauptsächlich über Cytochrom P450 (CYPP2B6 und CYP3A4) abgebaut3). Methadon ist ein Racemat, aber R-Methadon ist ungefähr 50fach potenter als das S-Enantiomer.

Indikation

Aufgrund der langen Halbwertszeit eignet sich Methadon bei schmerzhaften Operationen für den intra- zu postoperativ analgetischen Übergang.

  • Rückenoperationen
  • orthopädische Operationen
  • Patienten mit intraoperativ hohem Opiatbedarf
  • Patienten im Methadonprogramm
  • Drogenabhängige Patienten

Kontraindikationen

  • schwere Leber- und Niereninsuffizienz
  • intrakranielle Hypertension
  • akute Alkoholintoxikation
  • (relativ) Schwangerschaft (und Stillzeit)
  • Pat. mit MAO-Hemmer
  • verlängerte QTc-Zeit

Interaktionen

  • Trizyklische Antidepressiva und Diazepam hemmen den Metabolismus von Methadon und können dessen Wirkung verstärken und verlängern. Deshalb muss die Dosis reduziert werden oder ganz auf Methadon verzichtet werden.

Nebenwirkungen

  • übliche Nebenwirkungen der Opiate
  • Verlängerung der QTc Zeit

Dosierung

Aufgrund der langen Halbwertszeit ist das Medikament schlecht titrierbar. Methadon soll in der Regel vor Schnitt gegeben werden und nur bei einem unerwartet hohen Opiatbedarf intraoperativ kann es auch 30min vor Operationsende gegeben werden. Wird das Methadon zu Beginn der Operation gegeben, empfiehlt sich eine Gabe von 20mg (15mg bei Patienten >70 Jahren). Bei Gabe vor Ende der Operation empfiehlt sich eine Dosis von  10-20mg Methadon (ca. 0.2mg/kgKG) (Vorschlagtabelle siehe unten).

Wichtig bei Patienten mit Wirbelsäulenoperationen: Das Methadon ändert nichts an der postoperativen Analgesieverordnung. Diese soll wie bisher gemäss dem Analgesiekonzept Neurochirurgie durchgeführt werden.

Aktuell wird Methadon nur im Opiatschrank OG gelagert und obliegt einer oberärztlichen Indikation.

 

 

CAVE

untenstehende Dosisangaben sind als Obergrenzen zu verstehen

 

Patienten < 70 Jahre

PatientengewichtDosierung vor Schnitt ODERMind. 30 min vor OP Ende
50-69 kg15 mg10 mg
70-89 kg20 mg15 mg
> 90 kg20 mg20 mg

Patienten > 70 Jahre

PatientengewichtDosierung vor Schnitt ODERMind. 30 min vor OP Ende
50-69 kg10 mg5 mg
70-89 kg15 mg10 mg
> 90 kg15 mg15 mg

Produkt

Methadon Streuli 1 Amp. à 1ml enthält 10mg Methadon

Literatur

  1. Goodman&Gilman’s: The pharmacological basis of therapeutics. 11th edition
  2. Kharasch E. Intraoperative methadone: rediscovery, reappraisal, and reinvigoration? Anesth Analg 2011; 112:13-16
  3. Sharma A. et al. Perioperative pharmacokinetics of methadone in adolescents. Anesthesiology 2011; 115:1153-61

OP an der Wirbelsäule: Allgemeines