Bridion ®, Sugammadex

Alle Patienten, welche ein Muskelrelaxans erhalten, werden mit einem neuromuskulären Monitoring versehen.

Kurzinformation

Sugammadex ist ein Antidot in Form eines Zuckermoleküls für Rocuronium zur Reversion der mukulären Erschlaffung.

  • Nur die quantitative Messung ist verlässlich
  • TOF > 2: Robinul / Neostigmin
  • TOF < 2: Warten oder Sugammadex

Indikation

Notfall: Mit der Einführung der Reversion für Rocuronium ist es möglich geworden, auch bei einer RSI unter Nutzung von Sugammadex das Muskelrelaxans zu antagonisieren, um das Einsetzen der Eigenatmung wieder zu ermöglichen. Empfohlene Dosierung: 16 mg/kg KG. Die Wirksamkeit dieses Vorgehen ist aber fraglich!

Aufhebung der Muskelrelaxation zur Narkoseausleitung am LUKS Luzern:

TOF<2: Sugammadex kann in einer Dosierung von ca. 2 mg/kgKG angewendet werden, ggf. muss diese Dosis nach 3-4 min. repetiert werden

TOF >2: Zur Anwendung kommt bei fehlenden Kontraindikationen Robinul Neostigmin.

Kontraindikation

Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff

Denk an: orale Antikonzeption

Dosierungen

RSI Reversion 16mg/ KGkg

Standard LUKS Luzern: 2mg/kg KG, meist 200mg, ggf. Wiederholung

Darreichungsform

Ampulle 1ml mit 200mg Sugammadex

Ausführliche Information

Historisch

In den 1970 Jahren galt ein TOF > 0.7 als genügend. Bei Freiwilligen konnten damit akzeptable Werte bezüglich Vitalkapazität, inspiratorischer Kraft und exspiratorischem Spitzenflow erzielt werden.

Dies wurde in den letzten Jahren durch mehrere Studien hinterfragt, sodass heute eine TOF Ratio von > 0.9 allgemein gefordert wird. Dies wiederum ist nur mit einer objektiven Messmethode nachweisbar.

 

Neuromuskuläres Monitoring

Sobald die TOF Ratio 0.4 übersteigt, kann auch der erfahrene ein Fading nicht mehr erkennen. Damit haben wir eine blinde Zone zwischen einem TOF-Wert 0.4 und 0.9. Diese kann eingegrenzt werden mit der Double Burst Stimulation, aber auch hier ist im schlechtesten Fall der TOF Wert 0.6.

Klinische Zeichen wie Kopfanheben oder Handdrücken korrelieren schlecht mit der Relaxation der oberen Luftwege. Das Anheben des Kopfes für 5 sec entspricht einem TOF von 0.45 bis 0.75.

 

Konsequenzen der ungenügenden Reversion

 Neben der Muskelschwäche mit konsekutiver Obstruktion der oberen Luftwege, herabgesetzter Schutzmechanismen der Atemwege und Schluckstörungen, kann auch der hypoxische Atemantrieb vermindert sein.

Das kann zur Folge haben, dass Patienten reintubiert werden müssen, der Gefahr einer Aspiration mit entsprechender Aspirationspneumonie ausgesetzt werden oder die Entlassung aus dem Aufwachraum sich verzögert.

 

Sugammadex

 Enkapsuliert Rocuronium. Auch die anderen Steroidalen Muskelrelaxantien Vecuroinium und Pancuronium werden durch Sugammdex inaktiviert, aber mit einer viel geringeren Affinität.

Sugammadex hat den Vorteil, dass die negativen Effekte auf das autonome Nervensystem im Vergleich zu Neostigmin fehlen.

Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme einer Antibabypille.

Nachteil: Teuer.

 

Neostigmin

 Hemmt die Acetylcholinesterase an der Neuromuskulären Endplatte.

Dosierung 40 – 80 Gamma /kg KG. Mehr nützt nichts, da darüber Ceiling Effect.

Muss wegen der Nebenwirkungen auf das autonome Nervensystem mit einer anticholinergen Substanz kombiniert werden. Bei uns meist Glycopyrolat.

Vorteil: Billig.

 

Empfehlungen

 Muskelrelaxantien nur falls nötig einsetzen.

Muskelrelaxantien gemäss idealem Körpergewicht dosieren

Neostigmin und Sugammadex Dosen gemäss totalem Körpergewicht applizieren

Nur kurz- oder mittellangwirksame Muskelrelaxantien verwenden (Daran halten wir uns am KLIFAiRS schon lange)

 

Literatur

Dobyns J.B. Curr Rev Clin Anesth 36 (21): 269-284, 2016