Allergien

Allgemeines

  • Allergien finden sich häufig im Rahmen anästhesiologischer Prozeduren und sind meist Allergien vom Soforttyp (im Gegensatz zu Spättyp, zytotoxisch sowie Immunkomplextyp Reaktionen)
  • Häufigste Auslöser sind Muskelrelaxantien und Antibiotika. Denke aber auch an LATEX
  • Prinzipiell sind dies IgE vermittelte Reaktionen sowie Kontaktallergien.
  • Die Einteilung und Massnahmen bei einer Allergie vom Akuttyp leiten sich von den klinischen Symptomen ab
Erste Massnahme bei allergischen Reaktionen ist die Beseitigung bzw. das Ausschalten des “mutmasslich” allergieauslösenden Agens
GradSymptomeTherapie
0Lokale HautreaktionLokal
1Leichte Allgemeinreaktion Histamin 1 und 2 Blocker
Gegebenenfalls Steroide
2Ausgeprägte Allgemeinreaktion mit Kreislaufinstabilität O2
Sofort grosszügige Flüssigkeitszufuhr (RF bis 2 Liter)
Adrenalin i.m oder i.v.
Adrenalin-Perfusor i.v. in Betracht ziehen
Steroide
Bei Persistierendem Bronchospasmus Inhalation mit Salbutamol oder Adrenalin
Ketamin oder Aminophyllin bei anhaltendem Bronchospasmus
3Schock Massnahmen wie bei 2 plus gegebenenfalls Airwaysicherung
4OrganversagenReanimation

Dosierung Medikamente

Adrenalin intramuskulär

Kleiner als 10kg KG10-25 kg KG25-50 kg KGGrösser als 50 kg KG
10µgr /kg KG150 µgr
Als Injektor erhältlich
300 µgr
Als Injektor erhältlich
500 µgr

Adrenalin intravenös

Kinder BolusErwachsene BolusErwachsene Kontinierlich
1µgr/kg KG intravenös1µ/kg KG intravenös4-8 µgr/min intravenös

Clemastin = Tavegyl® intravenös

  • Histamin 1-Rezeptor-Blocker
KinderErwachsene
50µgr/kg KG langsam i.v.
Maximal 2mg i.v.
2mg i.v. langsam

Ranitidin = Zantic® intravenös

  • Histamin 2-Rezeptor-Blocker
KinderErwachsene
1mg/kg KG i.v. verdünnt
Maximal 50mg
50mg i.v. als Kurzinfusion

Methylprednisolon = Solu-Medrol®

  • Wirkungseintritt frühestens nach 1h
KinderErwachsene
2mg/kg KG intravenös
Maximum 250mg
125 mg intravenös

Salbutamol = Ventolin inhalativ

Dosier Aerosol  
Kleiner als 6 Jahre
Grösser als 6 JahreErwachsene
6 Stösse (100µgr Salbutamol) via Vorschaltkammer alle 20min
Maximal 3x
6-12 Stösse (100-200 µgr Salbutamol) via Vorschaltkammer alle 20 min
Maximal 3x
8-12 Stösse (100-200 µgr Salbutamol)
Inhalationslösung 
KinderErwachsene
1.25- 5mg Salbutamol in 2 ml NaCl 0.9% alle 20min1.25mg Salbutamol in 2-3 ml NaCl 0.9%

Adrenalin inhalativ

Kinder unter 1 JahrKinder älter als 1 JahrErwachsene
3mg Adrenalin
Pur via Vernebler
5mg Adrenalin
Pur via Vernebler
3mg Adrenalin
Pur via Vernebler

Aminophyllin intravenös

  • 5-6mg/kg (langsam in 100ml NaCl 0.9%)

Ketamin-S = Ketanest® intravenös

  • 0.25mg/kg KG intravenös

 

Latexhaltige Produkte am LUKS

  • Sterile Handschuhe
  • Braunes Pflaster
  • Pulmonalisarterienkatheter
  • Blasendauerkatheter (DK)

 

Nachweis einer allergischen Reaktion

  • B-Tryptase im Serum bestimmen (Abnahme innerhalb 15min bis 3h)
  • Tryptase wird aus Mastzellen im Rahmen der Allergischen Reaktion freigesetzt (Abnahme daher auch möglichst vor Antihistaminika Gabe)
  • Tryptase ist spezifisch für eine stattgehabte allergische Reaktion (Röhrchen “Serum-Gel, braun”, Tryptase auf Anforderung Chemie/Allergologie)

 

Jod

Es gibt eine Jodunerverträglichkeit oder Jodallergie. Diese zeigt sich insbesondere in kutanen Reaktionen. Eine allergische Akutreaktion ist nahezu ausgeschlossen, da der Wirkmechanismus über T Zellen kutan abläuft. Eine Okklusion der Haut mit Jod fördert dies im Einzelfall (jodhaltige Folien)

Soja

Soja in Medikamenten ist keine Gefahr für Soja-Allergiker

 

  • Vorkommen: Propofol, Retinoiden, Retarpen®, Ospen®, Elocon-Crème®, Clevidipine etc.
  • Gemäss der Arbeitsgruppe Allergologie der ÖGDV (Oesterreichische Allergologische Gesellschaft) sowie seitens Dr. G. Müllner, CA Allergologie LUKS, gibt es zwei Gründe für eine fehlende allergische Reaktion:
  1. Der Proteingehalt in den Sojabestandteilen ist zu klein
  2. Bei der Produktion der Medikamente kommt es zu einer Denaturierung der allergenen Proteine
  • Es gibt zahlreiche Referenzen, welche die Bedeutungslosigkeit einer Sojaallergie für sojahaltige Medikamente belegen
  • Es fehlen jedoch nach wie vor grossangelegte Studien.

 

Zusätzliche Massnahmen

  • Dokumentation im KIS
  • Allergologische Abklärung empfehlen
  • Info an Patient und Operateur
  • Falls Tryptase-Bestimmung positiv –> E-Mail an Operateur/-in als behandelnde Ärztin/Arzt mit der Auflistung möglicher allergieauslösender Medikamente mit der Empfehlung um Einleitung einer allergologischen Abklärung

 

Links + Quellen

 

Autoren

  • Dr. med. Mike Meyer, Assistenzarzt Anästhesie
  •  Dr. med. Gaby Rothlin, Oberärztin Anästhesie