Umgang mit Port und PICC-Katheter

Allgemeines

  • Patientinnen und Patienten mit einem implantierten zentralvenösen Katheter haben eine längere Krankheitsgeschichte und sind Experten für ihre Krankheit und die Krankheitssymptome
  • Sie kennen den Umgang mit diesen Devices und werden durch unterschiedliche Handhabungen verunsichert
  • Um bei diesen Patienten Venenpunktionen am wachen Patienten zu vermeiden, soll eine Anästhesie über den implantierten zentralvenösen Katheter induziert werden

Übersicht

 Port a cathPICC
IndikationInjektionen und Infusionen über Wochen bis Monate
Chemotherapie
Bluttransfusionen
Parenterale Ernährung
Injektionen und Infusionen über Tage bis Wochen
Chemotherapie
Bluttransfusionen
Parenterale Ernährung
LokalisationUnter der Haut BrustmuskelOberarmvenen
EinlageAmbulanter chirurgischer EingriffAmbulante Einlage mittels Ultraschall und lokaler Punktion
Einlegende AbteilungChirurgieErwachsene: Angiologie
Kinder: Anästhesie
PflegeSpülen alle 3 MonateSpülen/Verbandwechsel alle 7-8 Tage
SichtbarkeitNarbeAllzeit sichtbarer Fremdkörper
Maximale LiegedauerUnbefristet1 Jahr
InbetriebnahmePunktion mit spezieller NadelNadelfreier Konnektor auf Katheterende
InjektionUm Druckspitzen zu vermeiden Spritzengrösse mindestens 10mlUm Druckspitzen zu vermeiden Spritzengrösse mindestens 10ml
PerfusorenspritzenTIVA möglichTIVA möglich
Kontrastmittelgabe im CTmöglichmöglich
Intermittierendes Stilllegenmöglich
Port-Nadel entfernen
Heparinschloss
möglich
Citralock 4%® -Schloss
Heparinschloss (Kinderspital)
KörperpflegeSchwimmen, baden und duschen möglich wenn Port nicht angestochen istNur duschen möglich
Schwimmen und baden sind kontraindiziert
EntfernungOperativDipl. Pflegefachperson
Arzt

PICC

Allgemeines

  • Alle Lumen eines PICC-Katheters enden distal
  • Bei Mehrlumigen PICC-Lines ist das grösste Lumen mit der Maximalen Durchflussmenge beschriftet (in der Regel 5ml/Sekunde max.)
  • In der Regel ist die Kontrastmittelgabe über eine PICC-Line für eine CT-Aufnahme möglich
  • Erwachsene Patienten mit einem liegenden PICC – Katheter erhalten zur Antikoagulation 100mg Aspirin täglich, sofern der Patient nicht antikoaguliert ist

Konnektor

  • Nadelfreier Infusionsanschluss, direkt am PICC
  • Schliesst PICC zuverlässig ab (keine Verschlusskappe notwendig)
  • Anschlussstelle vor jeder Manipulation mit alkoholischem Desinfektionsmittel (Chlorhexidin 2% oder Kodan) gründlich desinfizieren und 30 Sekunden trocknen lassen
  • Wechsel alle 7-8 Tage zusammen mit Verbandswechsel
  • Katheterklemme muss immer offen sein (Materialermüdung). Einzige Ausnahme: Wechsel nadelfreier Konnektor

 

Inbetriebnahme

  • Sofort nach Einlage möglich
  • Vor jeder Anwendung eines stillgelegten Lumens 2ml Blut aspirieren, um Citralock 4%® aus dem Katheter zu entfernen
  • Dreiwegehahn nach Desinfektion direkt auf nadelfreien Konnektor ansetzen und Infusion anschliessen
  • Falls keine Aspiration von Blut möglich ist, kann der PICC auch mit Kochsalzlösung gespült werden, eine systemische Wirkung ist aufgrund des schnellen Abbaus von Citralock 4%® nicht zu erwarten

Pflege des PICC-Katheters

  • Bei stillgelegtem Lumen spülen nach der Flush-Methode alle 7-8 Tage
  • Bei laufender Infusionstherapie oder nach der Gabe von Propofol PICC-Line 1x täglich spülen nach der Flush-Methode 
  • 1 mal 10 ml NaCl 0.9% stossweise spülen (0,4 sec Intervall zwischen zwei Stössen) 
    • 7.5 ml stossweise spülen
    • Die restlichen 2.5 ml langsam spritzen und unter positiven Druck enden

Stilllegen des PICC-Katheters

  • Mit Citralock 4%® (Taurolidin und Citrat)
  • 1ml Citralock 4% spritzen, unter positivem Druck Dreiweghahn schliessen (Füllvolumen Katheter 0.7ml)
  • Die Katheterklemme muss offen bleiben, da sonst die Gefahr der Materialermüdung besteht

Verstopfte PICC-Line

  • Deblockieren mit Urokinase ® möglich
  • Rücksprache mit Angiologen aufnehmen

Besonderheiten PICC-Line Kinderspital

  • Stillegen der Lumina mit Heparin 500IE/ 5ml anstelle von Citralock®
  • Citralock® kann bei negativer Blutaspiration auch gespült werden
  • Im PICC-Patientenhandbuch sollte die Füllmenge des entsprechenden Katheters notiert sein
  • Siehe SOP PICC Kinderspital 

Verbandswechsel PICC-Line

  • PICC Katheter sind nicht angenäht
  • Sie sind mit einer Grip-Lok Fixiervorrichtung befestigt
  • Grundsatz gilt: es muss sehr vorsichtig gearbeitet werden um das herausrutschen des Katheters zwingend zu vermeiden
  • Patient in eine bequeme Position bringen. Bei Kindern empfiehlt es sich dies liegend zu machen
  • Eventuell eine Stoffwindel unter den Ellenbogen

  • Händedesinfektion
  • Unsterile Handschuhe anziehen
  • Folienverband zur Hälfte bis über die Fixiervorrichtung lösen

  • Prüfen ob die Grip-Lock Fixiervorrichtung noch gut hält:
  • Grip-Lok Fixiervorrichtung muss gewechselt werden wenn:
    • Sie verrutscht ist
    • Patient stark schwitzt
    • Ein Verrutschen möglich ist
    • Die Vorrichtung verschmutzt ist
    • Oder spätestens nach 2 Wochen
  • Lasche des Grip-Lock öffnen
  • Einstichstelle muss bei jeder Handlung fixiert werden
  • Da die Folie noch auf der Einstichstelle klebt, kann bedenkenlos der Finger auf die Einstichstelle gelegt werden

  • Katheter aus der Fixation herausnehmen 
  • Anschließend Grip Lock entfernen

  • Pflasterrückstände mit Pflasterentferner z.B. Niltac entfernen und Haut trocknen lassen
  • Falls ein Verrutschen der Fixiervorrichtung beobachtet wurde Haut mit einem Hautschutz (z.B. Cavillon) vor dem nächsten Pflaster behandeln

  • Grip Lock Lasche öffnen und den Katheter in die vorgegebene Kerbung einlegen
  • Wenn möglich den Verband nicht über der Ellenbeuge anlegen 

  • Papierstreifen entfernen und Lasche schliessen
  • Zur Fixierung des Katheters muss man darüberstreichen und Lasche leicht andrücken

  • Erst jetzt wird der Grip Lock auf der Haut fixiert
  • Mit einem Finger am linken Rand den Grip Lock fixieren und auf der rechten Seite das Schutzpapier entfernen
  • Grip Lock auf der Haut andrücken 
  • Der Katheter ist jetzt teilweise fixiert

  • Nun das Schutzpapier auf der linken Seite entfernen und den Grip Lock auf der Haut gut andrücken
  • Der Katheter ist nun komplett fixiert

  • Folienverband vorsichtig, herzwärts ablösen
  • Eventuell Pflasterentferner z.B. Niltac zum Ablösen verwenden
  • Zonis Alginat vorsichtig mit Pinzette entfernen
  • Einstichstelle beurteilen und cm-Markierung des PICC kontrollieren. (PICC Büchlein festhalten)
  • In der Regel zwischen 0-1 cm Skala ist auf dem Katheter erkennbar

  • Einstichstelle mit Chlorhexidin 2% desinfizieren und gut trocknen lassen

  • Silver Alginat mit Pinzette auf die Einstichstelle legen
  • Einschnitt des Silver Alginat bei Katheter lassen, nur leicht darunter schieben (am besten mit einer Pinzette)

  • Zum Schluss Folienverband aufkleben
  • Netzschlauchverband zur Fixation des PICC verwenden
  • Wenn nötig zusätzlich darunter eine Gazebinde verwenden

 

Port

  • Die Punktion des Portsystems kann auch präoperativ auf der Pflegeabteilung oder der Tagesklinik erfolgen

Vorbereitung

  • Emla® Pflaster 1 bis 2 Stunden vor der Punktion auf die Portkammer applizieren
  • Alternativ unmittelbar vor der Hautdesinfektion Eisspray applizieren

Nadeln

  • Immer spezielle Nadeln zur Punktion von Portsystemen verwenden (LUKS: Jetcan SafeII®).
  • Die 19 Gauge Nadeln (braune Klemme an Nadel) kann für Kontrastmittel im CT verwendet werden

Vorgehen

  • Portkammer palpieren und anschliessend 3x mit alkoholischem Hautdesinfektionsmittel (Chlorhexidin Tinktur® oder Braunoderm®) desinfizieren

Material zur Punktion 

  • Ersten sterilen Handschuh anziehen und NaCl aufziehen

  • Zweiten sterilen Handschuh anziehen
  • Punktionsnadel luftleer machen und Klammer schliessen

Punktion des Portsystems

Lagekontrolle

  • Nach Aspiration von Blut den Portkatheter gleich mit NaCl spülen

Verband

 

  • Mit Folienverband (IV300) die Nadel abdecken
  • Darauf achten, dass das Infusionssystem für den Patienten komfortabel zu liegen kommt (Verbandswechsel alle 8 Tage)
  • Eine angehängte Infusion muss beim Patienten mit Portkatheter immer über Herzhöhe gehalten werden und nicht ins Bett oder auf den Patienten gelegte werden, damit ein Zurückfliessen von Blut in die Kammer des Ports mit möglicher Thrombusbildung vermieden werden kann
  • Mindestfluss bei laufender Infusion: 10ml / h (Erwachsene)

Stillegen des Portsystems und Entfernung der Nadel

  • Heparin 500IE/5ml unter Ausübung eines positiven Druckes injizieren
  • Den Dreiwegehahn beim letzten Milliliter während des Spritzens schliessen 

  • Nadel entfernen. Silikonmembrane kann Widerstand verursachen
  • Nach Entfernung der Nadel ist keine Hautdesinfektion erforderlich

AOZ

  • Die Patienten erhalten einen für sie ausgefüllten Port-Pass (Ausweis), den sie bei jeder Konsultation ins Spital mitbringen sollen
  • Ausserdem wird ihnen ein Emla – Pflaster mitgegeben
  • Dieses sollen die Patienten 1 bis 2 Stunden vor einer Konsultation auf die Haut über dem Portsystem aufbringen
  • Bezüglich den Verhaltensmassnahmen bei einem Portsystem erhalten die Patienten ein Informationsblatt vom Team des AOZ
  • Bei Bedarf wird dieses den Patienten und den Angehörigen Schritt für Schritt erläutert (Patientenedukation)

Prozedere ohne unmittelbaren Gebrauch des Port

  • Bei Patienten, welche direkt nach dem Eingriff nicht direkt ins Onkologische Ambulatorium gehen, sondern direkt nach Hause muss der Port stillgelegt werden
  • Vor dem Entfernen der Port-Nadel: Den Port mit 20ml NaCl 0.9% spülen und mit Heparin (Amp. à 500 i.E / 5ml) verschliessen 

Procedere bei unmittelbarem Gebrauch des Port

  • Bei anschliessender Behandlung im Onkologischen Ambulatorium: Das Portsystem kann “abgestöpselt” werden:
  • Den Port mit 20ml NaCl 0.9% spülen und mit Heparin (Amp. à 500 i.E / 5ml) verschliessen
  • Dreiwegehahn für die weitere Anwendung im Ambulatorium belassen
  • Geschwächte und/oder gehbehinderte: Mit Begleitung ins Onkologische Ambulatorium “verlegen”, hausinternen Patiententransport organisieren
  • Je nach Zustand des Patienten ist der Patiententransport mit Rollstuhl zu gewährleisten

Quellen

  • Luzia Vetter, Pflegeexpertin Sfufe 1 (LUKS)
  • S.Jung, Pflegeexpertin 2. Ost (LUKS)
  • Cornelia Küttel,Pflegeexpertin (LUKS)
  • PICC – Katheter Pflegekonzept IMS
  • Portsysteme Pflegehandbuch Medizin
  • Blaubücher / Medizin Pflegeordner / Portsystem (Port a cath)
  • SOP PICC Kinderspital